Frauen sind immer noch benachteiligt

Veröffentlicht am 21.10.2019 in Allgemein

Der Arbeitskreis „Christen in der SPD“ erörterte das Thema „Gleichberechtigung der Frau“.

Erst 1919 war das erreicht, wofür Frauen seit Mitte des 19. Jahrhundert gekämpft hatten, nämlich wählen zu dürfen. Ihr Recht auf Bildung, Privateigentum und Erwerbsarbeit war noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert erstritten worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ganz grundsätzlich in Frage gestellt wurde die Rollenverteilung von Mann und Frau. Nachholbedarf bei der Gleichstellung der Frau gibt es gleichwohl noch heute. Es sei nötig, in diesem Bemühen nicht nachzulassen, sagte in der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises „Christen in der SPD“ Pfarrerin Adelheid Binder, die zur Vertiefung dieses Themas die Frauenbeauftragte der Stadt Freiburg, Simone Thomas, eingeladen hatte.

„Es gibt nach wie vor strukturelle Benachteiligung von Frauen“, hatte Simone Thomas beim Weltfrauentag 2015 erklärt. In Sachen Emanzipation sei seit 1918 zwar „viel passiert“ in grundlegenden Fragen, doch werde erst „in der Feinarbeit“ deutlich, dass Frauen bis heute nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit Anerkennung und Respekt erfahren wie Männer. Sexualisierte Gewalt und Missbrauch sei nach wie vor ein wichtiges politisches Thema, sagte die Gleichstellungsbeauftragte. Angetan von der heutigen Frauengeneration zeigte sich die Theologin, die deren „Frauenpower, Selbstbewusstsein und Wehrhaftigkeit“ lobte.

Alle Frauen (aber auch Männer) könnten sich in Fragen der Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen an die Frauenbeauftragte der Stadt Freiburg wenden, und zwar in allen Lebenslagen, legte Simone Thomas dar. Die Stelle zur Gleichberechtigung der Frau berät, begleitet, vernetzt und fördert in verschiedenen Sachgebieten, sie organisiert, verhandelt und bearbeitet in jenen Bereichen, in denen es darum geht, Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes auf kommunaler Ebene im Verein mit anderen Organisationen, Amtsstellen und Initiativen umzusetzen.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“, lautet der genannte Paragraf des Grundgesetzes. Die Stadt Freiburg setzt mit ihrer Stabsstelle jene Gesetzesvorgaben um, die die Geschlechtergerechtigkeit festschreiben und Maßnahmen zur Antidiskriminierung beschreiben.

In Freiburg ist aus dem Internationalen Frauentag im Lauf der Jahre eine ganze Aktionswoche mit zahlreichen Veranstaltungen geworden, die von der städtischen Frauenbeauftragten koordiniert wird. Das Programm zeigt das breite Spektrum und das Engagement der Fraueninitiativen und -verbände. Sie erinnerte daran, dass die Vergewaltigung in der Ehe erst seit etwa 20 Jahren strafbar ist und dass Frauen und Männer im Öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg tatsächlich erst mit dem Chancengleichheitsgesetz von 2016 als gleichberechtigt eingestuft wurden.

Adelheid Binder, Jahrgang 1950, schilderte in allen Einzelheiten, welche Moralvorstellungen in ihrer Generation herrschten, „was Frauen an Beschränkungen zu schlucken hatten“, wie die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau war und wie ausgeprägt sich die patriarchalische Dominanz des Familienvaters vielfach darstellte: Es war „absolut unmöglich“, als Mädchen oder Frau nachts auszugehen. Ein Restaurantbesuch als Frau allein war ein Unding. Unverheiratet zu sein und ein Kind zu bekommen, war für die Frau existenzbedrohend. Männer, die mit einer unbescholtenen Frau Geschlechtsverkehr hatten, konnten sich mit Zahlung eines Kranzgeldes aus einer Verlobung freikaufen. Unnachsichtig bestraften deutsche Gerichte Eltern, die ihren Kindern Liebesbeziehungen nicht verboten, wegen Kuppelei. Abtreibung war nur bei kriminologischer und medizinischer Indikation vorgesehen. Frauen war es lange Zeit versagt, über ihren Körper selbst zu bestimmen.

Sind wir in den Nachkriegsjahren entscheidend weitergekommen auf dem Weg zur Gleichberechtigung, fragte Adelheid Binder. Anhand eines Textes der Sozialistischen Jugend Österreichs von 2004 machte die Theologin deutlich, „warum (...) die Stimmen der emanzipationsbewegten Frauen so wütend“ sind, und lieferte die Antwort gleich mit. Zitat: „Weil wir nymphomanisch sind, wenn wir Freude am Sex haben, und frigide, wenn wir keine Freude daran haben. Weil wir frustrierte Emanzen sind, wenn wir die Stimme erheben. Weil wir ungeduldig und ungehörig sind, wenn wir zu viele Fragen stellen. Weil wir als zu emotional beschimpft werden, wenn wir darauf beharren, dass Dinge nicht nur geradlinig, naturwissenschaftlich erörtert werden können! Weil wir unweiblich sind, wenn wir für unsere Rechte kämpfen, und schwach, wenn wir es nicht tun...“

Bernd Michaelis

 

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